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Die tiefere Bedeutung von "Kedja Höger"
 

Manchmal fehlt einfach nur ein zündender Funke, um eine Idee wahr werden zu lassen. So ging es mir mit der Vätternrundan, DAS Highlight im schwedischen Hobbyradsport. Aber der Reihe nach:


Bereits im Juli des letzten Jahres hatten meine radsportbegeisterten Kollegen Martin Fischer und Joakim Viksten die Idee, mit einer gemischten Gruppe aus Mindener Bessel-Ruderern und E.ON-Kollegen bei einem der weltweit größten und bekanntesten Radsportevents zu starten. Es fanden sich 8 Leute, die sich als Team registrierten und dank unseres schwedischen Kollegen Joakim tatsächlich Startplätze für das in 90 Sekunden ausgebuchte Rennen ergattern konnten.
 So konnte es tatsächlich am 11. Juni um 11 Uhr ab Minden losgehen. Ein Viano bot komfortablen Platz und für die Räder war ein Anhänger besorgt worden. Wir erreichten nachmittags planmäßig Kiel, wo bereits die Fähre nach Göteborg wartete. Von dort waren es am Freitagmorgen nur noch 270 km bis zum Startort Motala am Nordostufer des Vätternsees. Das von Joakim angemietete Haus bot reichlich Platz, Komfort und Ausstattung für jede Form von Pasta-Party, egal ob mit Thunfisch- oder Tomatensauce.  Mir gefiel besonders das schnuckelige Gartenhaus, das ich gleich als meins erklärte und bezog.
   

    
Bei der Vätternrundan starten 20.000 Radfahrer, die in Startgruppen von 70 Radlern auf feste Startzeiten verteilt werden. Unser Start war am Samstagmorgen um 00.10 Uhr, was bedeutete, dass unsere Pasta-Party am Vorabend um 19 Uhr zuende sein sollte, damit jeder noch etwas ruhen konnte. Pünktlich um 23.30 Uhr fuhren wir am Haus los und konnten so das Treiben am Start noch eine zeitlang beobachten, bevor wir um exakt 00.10 Uhr bei klarem Himmel und 14°C auf die 298 km lange Strecke gelassen wurden. Die ersten Kilometer in Motala wurden neutralisiert gefahren, aber dann ging es auch schnell richtig los und die Bessel-Ruderer machten vorn ordentlich Tempo, sodass die Gruppe schnell in mehrere Grüppchen zerfiel. Die waren aber immer noch groß genug, um auf den ersten 120 km bis Jönköpping am Südrand des Vätternsees angenehmen Schutz vor dem ansonsten unangenehmen Südwestwind zu bieten. Dabei wurde es immer kälter und gegen 5 Uhr waren es nur noch ebensoviele Grad, was bei meinem sommerlichen Outfit ehrlich gesagt ziemlich wenig ist. Mit dem Kurswechsel nach Norden kamen aber dann auch die Sonne über den See von vorn und der Wind von hinten und es wurde schnell wärmer und die Geschwindigkeit nochmal höher. Nicht jeder konnte das Tempo mitgehen und leider gab es mehrere teils heftige Stürze, bei denen wohl Konzentrationsmangel, fehlender Schlaf und beginnende Erschöpfung zusammen mit einer teils abenteuerlichen Streckenführung eine gefährliche Ursachenkombination bildeten. Weitere Beinaheunfälle direkt neben und vor mir sowie ein gerissener Schaltzug bewogen mich dann, es auf den letzten 50 km gemütlicher angehen zu lassen. Immerhin kam ich so immer noch um 10.15 Uhr im Ziel in Motala an, wo im Haus schon 4 frisch geduschte Freunde warteten.

An weiteren Eindrücken bleiben die perfekte Organisation an Start und Ziel, die exzellenten Straßen  (298 km ohne ein einziges Schlagloch) und das bis auf die doch recht frische Temperatur am frühen Morgen optimale Wetter, aber leider auch die auf der Strecke für solch ein Event sehr dürftige Verpflegung  (da können die meisten RTF's in Deutschland gut mithalten) und die leider viel zu vielen schweren Stürze, die im schnellen Pulk dann immer eigentlich unbeteiligte Radler mitnahmen und viel Blut und Schrott auf Schwedens Straßen zurückließen.

Bleibt die Antwort auf die Frage nach der tieferen Bedeutung von "Kedja Höger", was die wörtliche schwedische Übersetzung für "Kette rechts" ist und nicht nur unser Team-Name, sondern auch unser Programm war. Tatsächlich kann trotz der 1700 hm das kleine Kettenblatt getrost zuhause bleiben, vorausgesetzt, der Zug für das hintere Schaltwerk reißt nicht.

 

        

Fazit: ein rundum tolles Event, das wir durch die entspannte Anreise per Fähre und die komfortable Unterbringung weiter aufwerten konnten. Zur Nachahmung empfohlen.

 

 

Bericht:  Matthias Eiden