> Veranstaltungen -CCC - USA - 2016

 

 

„Ein Traum wurde wahr“ - so könnte man zusammenfassen, was unsere beiden RSG-Radsportler Karola und Matthias in diesem Sommer in den USA erlebten. In 52 Tagen fuhren die beiden mit ihren Rennrädern die „Cross Country Challenge“, eine Durchquerung Nordamerikas über 6500 km von San Francisco am Pazifik nach Portsmouth am Atlantik.

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Fast 1 Jahr hatten wir uns vorbereitet, bevor es endlich losging. Nichts wurde dabei dem Zufall überlassen. So wurde auch die Anreise vorverlegt, um für den Fall der Fälle, dass z.B. das Rad beschädigt oder sogar gar nicht ankommt, noch reagieren zu können. Zum Glück lief alles perfekt und wir konnten schon am ersten Morgen einen 133 km langen Prolog durch die Berge südlich von San Francisco und entlang des Pazifiks radeln. Traumhafte Ausblicke gaben einen ersten Vorgeschmack auf die große Tour, wenn auch der für San Francisco typische Nebel die Golden Gate Bridge an diesem Tag halb verdeckte.

Das offizielle Programm begann am Vorabend der 1. Etappe mit einem Ausrüstungscheck durch den Veranstalter, u.a. wurden dabei alle Drehmomente, die Laufräder und alle Einstellungen von Schaltung und Bremsen geprüft. Klar, dass unsere Räder ohne Befund durchkamen. Jetzt lernten wir auch die übrigen Teilnehmer kennen, insgesamt waren wir 4 Frauen und 20 Männer sowie 4 Begleitpersonen, die u.a. den Gepäcktransport, die Unterwegsverpflegung und den technischen Support gewährleisteten sowie die beiden Vans fuhren. Neben 13 US-Amerikanern, 6 Engländern und 3 Holländern waren wir die beiden einzigen Teilnehmer aus Deutschland.

Dann ging es endlich los, zunächst über die Berge nach Westen zum Rear Wheel Dip im Pazifik im kalten Nebel und weiter zur ebenso emotionalen Überfahrt der Golden Gate Bridge. Endlich wurde es wärmer und später sogar sommerlich warm. Ein rundum angenehmer erster Tag, der Lust auf mehr machte. Aber schon auf der 2. Etappe nach Sacramento, der Hauptstadt Kaliforniens, bekamen wir bei Temperaturen von bis zu 45°C und einigen, meist schon toten Klapperschlangen einen ersten Vorgeschmack auf die kommenden Wochen. 

Schon am 4. Tag wartete die statistisch schwerste Etappe der gesamten Tour mit Überquerung des Donner Pass auf 2151 m. Wir fuhren durch herrliche Landschaften der Sierra Nevada, aber auch 17 Meilen auf der Autobahn I-80. Als Radfahrer darf man in den USA auf dem Standstreifen einer Autobahn fahren, sofern es keine andere Straße gibt.

Wir verließen Kalifornien und kamen an Tag 5 auf wie üblich wieder allerfeinste Straßen nach Nevada, um den Mt. Rose auf 2716 m zu bezwingen. Der Anstieg war schön gleichmäßig mit 5-7% zu fahren und der Rückenwind half dabei. Karola fuhr an diesem Tag so gut, dass ein amerikanischer Teilnehmer sie abends das „Mountain-Mädchen“ taufte. Die fast 30 km lange Abfahrt war sensationell, US-typisch megabreite Straßen, sanfte Kurven und ein spiegelglatter Asphalt, leider stellenweise unangenehm windig, sonst wären wir wohl noch schneller gewesen. Die Temperaturunterschiede über solch eine Tour waren eine zusätzliche Herausforderung, da ging alles zwischen 10 und 40°C und optimal angezogen war man eigentlich nur am Start.

Nach der Übernachtung im Spielerparadies in Sparks (bei Reno) gab's ein echt amerikanisches Frühstück mit Pfannkuchen, Rühreiern und Speck. Was dann folgte, war unsere allzeit schnellste Tour mit einem 33er Schnitt über 149 km parallel zum Truckee River bei 35°C durch die Wüste Nevadas, vorwiegend über die I-80, die aber heute nicht so stark befahren war. Die wenigen überholenden Trucks gaben ordentlich Luftzug, sodass es wieder ein perfekter Tag mit einem ebensolchen Abschluss im Wüstenort Lovelock wurde.

Über Nacht hatten wir dann den ersten "room flat" (Zimmer-Plattfuß). Die vielen Reste der LKW-Stahlgürtelreifen auf den Highways haben haarfeine Drähte, die so kleine Löcher machen, dass man die erst am nächsten Morgen merkt, wenn der Reifen platt ist. Als Entschädigung gab's wieder ein echt amerikanisches Frühstück ohne Ausweichoptionen: Rühreier, Speck und Pfannkuchen, wir waren ja schließlich nicht zum Spaß hier. Und dann noch erstmals brutal gegen den Wind. Mann war das ein harter Tag. Wir freuten uns auf der I-80 über jeden überholenden Truck, der für ein paar Sekunden Windschatten gab und einen angenehmen Sog hinterließ.

So langsam kamen wir in „the middle of nowhere“ an. Die Ortsnamen wie z.B. Lovelock, Winnemucca, Battle Mountain und Wendover ließen erahnen, dass wir hier vorwiegend Landschaft genießen konnten.Trotz Rüttelstreifen entlang der I-80 war es wieder eine wunderschöne Etappe bei angenehmen Temperaturen und langsam auf West drehendem Wind. Die Landschaft wurde wieder grüner und der Emigrant-Pass auf 1867 m lieferte berauschende Blicke. Das Highlight aber war das Teilstück durch den Carlin Canyon, unglaublich !!

 

Es folgten 2 Tage mit 175 bzw. 190 km langen Etappen durch die Wüsten in Nevada und Utah, fast nur noch geradeaus und knallhart bei orkanartigem Wind wechselnd aus allen Richtungen, nur nicht von hinten. Dazu 35 °C und viel Sand und Salz in der Luft. So viel Wasser konnten wir gar nicht mitnehmen, wie man hier braucht. Besten Dank an Michelle, die Rettung im Support-Van am Straßenrand. Und an Hans aus Holland für seinen überragenden Windschatten.

 


Nach 11 Tagen im Sattel und 1400 km hatten wir endlich unseren ersten Ruhetag in Salt Lake City. Das Stadtbild ist dominiert von Einrichtungen der Mormonen, alles ist sehr sauber, ordentlich und in einem nahezu perfekten Zustand. Bei sonnigem Wetter und angenehmen Temperaturen ein gelungener Tag !

Nach dem Ruhetag kam eine scheinbar leichte Etappe zum Wiedereinstieg nach Provo, aber unsere Beine waren schwer und die Knie weich. Im 1. Drittel sehr unübersichtlich zu navigieren, mehr Haken schlagend, das 2. Drittel mit viel Verkehr, konnten wir es lediglich im letzten Teil schön rollen lassen. Als Resume: ein unspektakulärer Tag, gleichwohl schön.

Wir vergaßen Wochentage und Datum und zählten einfach die Tourtage durch in dem Wissen, dass Tag 52 am Atlantik enden würde. Tag 14 führte uns landschaftlich schön durch die Rockies über den Soldier Pass auf 2279 m, wieder mit viel Gegenwind, der durch die Täler wie in einer Düse beschleunigt wurde und besonders anfangs extrem war. Wir mussten sogar auf der Abfahrt pedalieren. Die schroffe, rotbraune Landschaft ist fantastisch, aber besonders nahe Price durch oberflächennahen Steinkohleabbau ziemlich ramponiert. Über die Hitze redeten wir schon gar nicht mehr, was sind schon 38°C ?

Aber es sollte noch schlimmer kommen. Von Price nach Green River hatten wir endlich mal keinen Gegenwind, dafür mit bis zu 43 °C Hitze pur in der Wüste Utahs. Die Herausforderung bestand jetzt darin, rechtzeitig und ausreichend Wasser zu tanken. Noch schlimmer wurde es auf dem Weg nach Fruita, eine unglaubliche Hitzeschlacht im Heißluftofen Colorados über 145 km bei 46°C und Gegenwind mit zahlreichen Verlusten in der Gruppe, die sich völlig entkräftet und dehydriert in den Van setzen mussten. Wahrscheinlich war dies die heftigste Etappe der ganzen Tour und nur mit einer zuhause nicht für möglich gehaltenen mentalen Stärke und einem absolut kompromisslosen Fokus auf das Ziel am Atlantik zu fahren.

            

 

Wegen der Hitze starteten wir jetzt schon um 6.15 Uhr, was aber den Gegenwind nicht beeindruckte. Erst am Tag 18 wurde es deutlich kühler, trotzdem machte der erbarmungslose Ostwind den mit 8% eigentlich leichten Anstieg zum Cerro Pass auf 2451 und später weiter auf 2650 m strapaziös. Am Tagesziel in Gunnison gönnten wir uns einen ausgiebigen Besuch beim Pizza Hut. Wir hatten 1/3 der Distanz geschafft!

Tag 19 brachte endlich mal leichten Rückenwind, der uns hoch auf den Monarch Pass auf 3448 m blies. So hoch waren wir bislang nur mit dem Flugzeug. Besser hätte es heute nicht laufen können, das war echter Rock'n Roll auf feinsten Straßen, wo man es so richtig krachen lassen konnte. Die fast 40 km lange und beinahe kurvenlose Abfahrt entschädigte für fast alles. Noch besser sollte es am nächsten Tag in Richtung Pueblo kommen: klasse Downhill und Rückenwind machten aus einem 150 km Ritt eine entspannte Fahrt durch die atemberaubenden Täler und Schluchten der östlichen Rocky Mountains. Fast 140 km einfach nur krachen lassen, nur die letzten Meilen vor Pueblo waren wegen Baustellen und Wochenendverkehr etwas stressig.
 

 

Nach einem verdienten Ruhetag in Pueblo folgte mit 195 km die längste Tagesetappe nach Lamar, dazu bis zu 39 °C und leichter Gegenwind. Es ging stramm nach Osten durch die endlose Einöde Colorado's. Kette rechts und geradeaus. Umwerfer und Lenkungslager hatten heute Schonzeit.

Mit dem zweiten "century ride" in Folge (so nennen die Amerikaner Etappen über mehr als 100 Meilen) erreichten wir am nächsten Tag Kansas und somit auch die nächste Zeitzone (central time). Wieder Kette rechts und geradeaus. Ab jetzt sollten uns Maisfelder begleiten. Das fast pausenlose Fahren im Wind kostete Körner. Es häuften sich die Hungerattacken und wir mussten aufpassen, dass wir genügend essen und trinken. Hitze und Wind wurden immer erbarmungsloser und es waren noch 3500 km bis zum Atlantik.

Tag 24 brachte endlich mal wieder eine kurze Etappe über 82 km, dafür wieder mit ordentlich Gegenwind. Kansas ist neben Mais auch für seine Rinder bekannt und unterwegs begegneten uns die Steaks von morgen, leider kein angenehmer Geruch. In der flachen Einöde von Kansas half der Gedanke an Matt Dylan und Miss Kitty, die Zeit bis zur Ankunft in Dodge City, der Stadt der "Rauchenden Colts", zu überbrücken, wo wir uns einen ausgiebigen Besuch des Boot Hill Museums gönnten.

 

Kansas ist nicht nur für Mais und Steaks, sondern auch für seine Wetterkapriolen bekannt. In der Nacht schüttete es aus Eimern, aber entgegen der katastrophenähnlichen Wettervorhersage hörte es  pünktlich um 6 Uhr auf und wir fuhren über trockene Straßen mit Rückenwind und Kette GANZ rechts los. So verließen wir den südlichsten Punkt der Tour. Sogar die Socken blieben sauber. Später brachte die Sonne die Temperatur wieder auf fast 40°C. Auf die angekündigten Unwetter verzichteten wir gerne.

Am Tag 27 hatten wir nicht nur die Hälfte der Zeit, sondern bei Meile 25 auch die halbe Distanz zum Atlantik geschafft. Und fast möchte man sagen: endlich mal Regen ;-)


Im Ernst, nach all den Hitzeschlachten der letzten Wochen waren die 15 Meilen am Morgen im warmen Sommerregen noch nicht mal unangenehm. Ansonsten das übliche Bild: links und rechts Mais- und Weizenfelder, aber auch immer mehr kleinere Farmen. Das Tagesziel Abilene ist zugleich die Heimat und letzte Ruhestätte von Dwight Eisenhower und wir besuchten die Erinnerungsstätten.

Tag 28 von Abilene nach Topeka brachte Regen, Regen, Regen, dazu noch Gegenwind. Wer das nicht mag, soll frei nach Rudi Altig besser Schach spielen. Trotz allem, es hätte schlimmer kommen können, immerhin waren 90 l/m² gemeldet, tatsächlich aber waren die letzten 25 Meilen sogar trocken. War eine ordentliche Herausforderung, aber es reichte trotz allem nicht, um aus uns Helden Legenden zu machen.

Wir verließen Kansas und erreichten trotz dramatischer Wettervorhersage trocken St. Joseph in Missouri, der 6. US-Bundesstaat der Tour. Heftiger Gegenwind machte den Tag trotzdem schwer, die landschaftlichen Eindrücke und schöne einsame Straßen wiederum leicht. Weiterhin Maisfelder soweit das Auge reicht, aber jetzt auch mal zwischendrin ein paar Bäume ;-)

Den Nationalfeiertag am 4. Juli verbrachten wir als Ruhetag in St. Joseph und es war Sightseeing per Rad angesagt. Pony Express Memorial und Jesse James Home, dazu ein paar abwechslungsreiche Meilen am Missouri River entlang und durch die ländlichen Wohnviertel. So blieben die Beine locker. Abends brachte uns der Van zum Independence Day Firework an den Missouri River.

Die Gegend wurde nun hügeliger und die Strecken somit anspruchsvoller. Bei wieder mal bis zu 40 °C, dazu einer Luftfeuchtigkeit von 85% und leichtem Südwind, war das scheinbar leichte Höhenprofil eine echte Herausforderung. Permanente Rhythmusbrecher durch kurze knackige Anstiege von wenigen Höhenmetern, dafür aber immer wiederkehrend, ließen uns fast verzweifeln. Und immer wieder das gleiche Spiel: während Matthias auf seinem Isaac Rennrad bergab deutlich schneller ist als Karola mit ihrem Red Bull, zieht diese am folgenden Hügel locker lächelnd an ihm vorbei.

Hoch und nieder immer wieder..... fast langweilig. Der Tag 32 hieß schon im Vorfeld "day of the 1000 hills". Aber dann sorgte ja doch noch ein Tornado für Abwechslung, vor dem wir uns rechtzeitig auf eine Farm flüchten konnten. Somit haben wir das jetzt auch erlebt. Aber nicht genug: als weitere Herausforderung wartete eine abgerissene Brücke, sodass wir durch das schlammige Flussbett stapfen mussten. Am Zielhotel half nur noch ein Feuerlöschschlauch, um Räder und Fahrer zu reinigen. Ansonsten Sojabohnen- und Maisfelder....

In der Nacht regnete es wieder heftig und wir konnten wegen Gewitter und Starkregen erst ab 8 Uhr loszufahren, zunächst über nasse Straßen, später sonnig, immer windig. Die als Downhill angekündigte Strecke hatte wegen der vielen Wellen von bis zu 13% mehr Höhenmeter als manche Mittelgebirgstour. Mit der Überquerung des grandiosen Mississippi erreichten wir mit Illinois den 7. US-Bundesstaat der Tour.



 

Auch weiterhin begleiteten uns Mais- und Sojabohnenfelder. Eine herrliche Strecke, Rückenwind und das Terrain so platt wie unsere Reifen: wir mussten heute trotz bester Straßenverhältnisse 4 mal flicken, aber das soll zurückstehen gegenüber dem ansonsten wunderbaren Tag voller guter Eindrücke.
U.a. überquerten wir auf halber Strecke den Illinois-River.

 

Die nächsten Tage verliefen weitgehend unspektakulär. Bei leichtem Rückenwind und angenehmen Temperaturen flogen wir pannenfrei über einsame und bestens asphaltierte Straßen zwischen Mais- und Sojabohnenfeldern durch Illinois. Bei meist idealen Radsportbedingungen erreichten wir mit Indiana den 8. Staat der Tour. Die Route wurde etwas abwechslungsreicher und es gab neben Mais- und Sojabohnenfeldern nun sogar kleinere Wälder, doch die Beine wurden immer schwerer und schmerzten jetzt schon beim Losfahren nach kurzen Ampelstops.
Wir entdeckten mit Steak'n Shake eine Restaurantkette, die für ihre Burger, aber noch mehr ihre Milchshakes bekannt ist. Schnell bekam Steak'n Shake in der Gruppe Kultstatus und es wurde unsere Aufgabe, die Lokale entlang der Strecke und am Zielort zu googeln und den anderen Radlern mitzuteilen. Leider schafften wir es nicht, uns während der Tour durch die komplette Milchshake-Karte zu arbeiten. Schade, besonders zu Happy-hour-Zeiten.

               

Tag 37 brachte uns eine ganze Reihe von Highlights. Es begann beim Besuch von Roark-Bikes, einer feinen Titanrahmenschmiede mit einer Kapazität von jährlich 100 Rahmen. Weiter ging's über schönste Straßen sowie abwechselnd durch Mais, Soja und Mischwald zum Indy Motor Speedway und abschließend zum Velodrom in Indianapolis. Manch einer von uns ließ es sich nicht nehmen, dort ein paar Runden zu drehen. Der folgende Ruhetag in Indianapolis tat gut, bevor es dann auf die letzten beiden Wochen der Tour ging. Wir lernten, dass „RAIN“ nicht „Regen“ heißt, sondern“Ride Across Indiana“. Es war schwül, aber trocken. Anrückende Gewitterwolken und Rückenwind machten uns schnell, ein nach der Wartung im Hotelzimmer in Indianapolis endlich wieder geräuschfreies Tretlager glücklich und das Steak'n Shake am Ziel direkt gegenüber dem Hotel satt und zufrieden. So können die letzten beiden Wochen der CCC gern weitergehen.

     

Wir erreichten Ohio. Toller Rückenwind, einsame, beste Straßen, schöne Landschaft mit Mais, Soja und Wald. Da konnten wir es trotz zunehmender Halsschmerzen bei Matthias schon mal krachen lassen, zumal westlich hinter uns aufziehende Gewitterwolken drohten.
Das blieb auch weiter so. Wir genossen die Tage bei Sonne und Rückenwind durch eine wunderbare, abwechslungsreiche Landschaft. Aber es kamen jetzt auch die "rolling hills" wieder, schön anzusehen, aber mit bis zu 13% teilweise ziemlich ruppig.

Nach einer sonntäglichen Tour durch die "amischen" Gegenden Ohios erreichten wir Erie am gleichnamigen See und damit Pennsylvania, den 10. US Bundesstaat auf unserer Reise. „Amish people“ lehnen u.a. den technischen Fortschritt weitgehend ab und fahren somit auch kein Auto. Hier war alles so ruhig und beschaulich und wir hörten nur die Geräusche von Kette und Reifen. Kaum noch Maisfelder, stattdessen streiften wir sogar einige Weinanbaugebiete.


In Erie nutzten wir unseren letzten Ruhetag zu einer gemütlichen Runde über die Halbinsel "Presque Isle" und das Stadtzentrum. Was soll man sagen? Ist ne schöne Ecke hier :-)

Nach dem entspannten Ruhetag ging es in den letzten (8-tägigen) Abschnitt der Tour. Optimale Radsportbedingungen und eine weitgehend schöne Strecke entlang des Erie-See machten den Tag zum puren Genuss. Nach etwa 40 km erreichten wir New York als 11. US-Bundesstaat unserer Tour. Die Stimmung im Team wurde nun immer entspannter und uns wurde zunehmend klar, dass wir schon bald am Ziel sein werden. Es stieg die Euphorie und die Disziplin ließ nach. Das ging heute so weit, dass Matthias sich zu einem "large root beer float" und später sogar wir beide uns zu einem "Shark's ice cream" hinreißen ließen. Root beer float ist sowas wie Malzbier mit Vanilleeis obendrauf. Muss man probiert haben. Und danach nie mehr. Und die "small cone" bei Shark's ernährt für den Rest der Tour ;-)

          

Tag 47 war ein reiner Genusstag. Bei aller Vorfreude auf die Ziellinie und den nahenden Wheel-dip im Atlantik: solche Touren wie heute könnten wir ewig fahren. Tolle Landschaft entlang der Finger Lakes, meist einsame und perfekte Straßen, dazu angenehme Temperaturen bei bis zu 36°C und leichtem Rückenwind. Ein echter Geilomat-Tag! Und auch die nächsten Tage über Little Falls und Latham blieben so schön.

 

3 Tage vor dem Ziel erreichten wir den „Green Mountain State“. So nennt sich Vermont, der 12. US Bundesstaat auf unserer Tour. Das Höhenprofil und die Wälder bewiesen, dass diese Bezeichnung gerechtfertigt ist. Auch in den letzten drei Tagen bekamen wir nichts geschenkt. Trotzdem, bei herrlichem Radsportwetter war's ein Spaß.

Schon am nächsten Tag erreichten wir New Hampshire, unseren 13. US-Bundesstaat. Kurz vorm Atlantik !!!!!!! Aber heute war es nochmal richtig schwer, jede Menge knackige Anstiege in dafür umso schönerer Landschaft, die uns an OWL und Sauerland erinnert. Eine der schönsten Strecken der gesamten CCC.

Und dann, am Tag 52, sind wir tatsächlich angekommen. Polizei-Motorräder mit Blaulicht eskortierten uns die letzten Meilen zum Atlantik. Als plötzlich hinter einer Kurve, 3 km vor dem eigentlichen Ziel, unvermittelt dieses Bild vom blauen Atlantik vor uns auftauchte, blieb kein Auge mehr trocken. Selten haben wir so viel Wasser in den Augen gehabt und bei den Kollegen gesehen. Wahnsinn und unglaublich. 6500 km in 52 Tagen coast-to-coast. Am Strassenrand jubelten uns auf dem letzten Kilometer zahlreiche begeisterte Fans, meist Angehörige und Freunde der Teilnehmer, zu. Wir hatten es geschafft und, wie Karola gern sagte: wir sind Helden (zumindest fühlten wir uns so). Wir ziehen die Schuhe aus, nehmen die Räder hoch und stapfen in das warme Wasser des Atlantiks. Was für ein unglaubliches Gefühl. Wir werden es nie mehr vergessen.


                    

Die strahlenden Finisher der Cross Country Challenge 2016

Fotos: Matthias Eiden